RePhoR-Transferevent in Hannover: Ergebnisse aus sechs Jahren Forschung und Umsetzung













Am 16. Juni 2026 kamen im Alten Rathaus in Hannover rund 120 Fachleute aus Kommunen, Wissenschaft, Behörden und Industrie zusammen, um die Ergebnisse der BMFTR-Fördermaßnahme Regionales Phosphor-Recycling (RePhoR) zu bilanzieren. Sechs Jahre Forschung und Umsetzung haben gezeigt: Die Technik funktioniert. Die eigentliche Aufgabe beginnt jetzt.
Phosphor ist unverzichtbar für die Landwirtschaft und damit für die Ernährungssicherheit. Gleichzeitig verfügt Deutschland über keine eigenen Rohphosphatvorkommen und ist vollständig auf Importe angewiesen, überwiegend aus politisch instabilen Regionen. Klärschlamm enthält erhebliche Mengen Phosphor – und die novellierte Klärschlammverordnung (AbfKlärV) verpflichtet Kläranlagenbetreiber ab 2029 beziehungsweise 2032, diesen Phosphor zurückzugewinnen. RePhoR, die 2020 gestartete Fördermaßnahme des Bundesministeriums für Forschung, Technologie und Raumfahrt (BMFTR), hat in den vergangenen sechs Jahren sieben Verbundprojekte gefördert, die verschiedene Rückgewinnungsverfahren unter realen Bedingungen erprobt haben. Das Transferevent diente zur Ergebnispräsentationen und zur Diskussion und Vernetzung, um den Austausch weiter voranzutreiben.
Der erste Teil des Tages war den Projektergebnissen gewidmet. Die sieben Verbundprojekte – P-Net, KlimaPhoNds, SATELLITE, DreiSATS, R-Rhenania, AMPHORE und RePhoRM – haben drei grundsätzlich unterschiedliche Rückgewinnungswege beschritten: die Phosphorrückgewinnung direkt im Klärprozess als Struvit, die thermochemische Aufbereitung von Klärschlamm sowie die nasschemische Behandlung von Klärschlammasche.
P-Net stellte Erfahrungen mit dem PECO-Verfahren vor, das die etablierte Struvit-Schiene weiterentwickelt. KlimaPhoNds demonstrierte an der Kläranlage Northeim eine dezentrale Rückgewinnung, die zugleich die Trocknungsenergie des Schlamms nutzt und damit den Energiebedarf der Anlage reduziert. SATELLITE zeigte am Beispiel des Kläranlagenverbunds KNRN, wie modellgestützte Szenarioanalysen Kommunen bei strategischen Entscheidungen über regionale Kooperationsmodelle unterstützen können. Die thermochemisch arbeitenden Projekte DreiSATS und R-Rhenania entwickelten Verfahren, die Klärschlamm beziehungsweise Klärschlammasche in einen recyclingfähigen Dünger umwandeln – in DreiSATS gibt es zusätzlich auch noch eine nasschemische Verfahrensschiene, die dezentrale Rückgewinnung ermöglicht. AMPHORE und RePhoRM setzten auf nasschemische Verfahren zur Ascheverwertung – AMPHORE bereits im großtechnischen Maßstab beim Ruhrverband und der Emschergenossenschaft, RePhoRM hatte eine Pilotanlage im Rhein-Main-Gebiet unter Einbindung industrieller und agrarischer Stoffkreisläufe.
Das Fazit nach sechs Jahren: Phosphorrecycling ist an verschiedenen Ansatzpunkten technisch realisierbar. Die Rezyklatqualität ist nachgewiesen und erfüllt die gesetzlichen Anforderungen. Einige Projekte werden nach Projektende in die großtechnische Umsetzung überführt.
Prof. Dr.-Ing. Johannes Pinnekamp, wissenschaftlicher Koordinator des Begleitvorhabens TransPhoR, eröffnete den 2. Veranstaltungsblock mit einer zentralen Einordnung: Viele Fragen zur Technologie, zu Rahmenbedingungen, zu Organisationsmodellen und zur Marktentwicklung für Phosphorrezyklate bleiben offen. In den vergangenen Monaten wurden mit den Verbundprojekten und speziell dem Lenkungskreis konkrete Handlungsempfehlungen entwickelt. Diese richten sich an zwei Adressatenkreise: lokale Akteure wie Kommunen, Kommunalparlamente, Verbände und Betreiber einerseits, Bund und Länder andererseits.
Für Betreiber lautet die erste Empfehlung nicht: Technik auswählen. Notwendig sind zunächst stabile Kooperationsstrukturen. Betreiber sollten frühzeitig prüfen, mit welchen Nachbarkommunen oder Verbänden sie die Phosphorrückgewinnung gemeinsam angehen können – denn nicht jedes Verfahren ist für jede Anlage geeignet. Welches Verfahren in Frage kommt, hängt maßgeblich von der Klärschlammmenge, der Schlammqualität und saisonalen Schwankungen ab. Betreiber müssen ihre Schlämme daher gut kennen, bevor sie belastbare Ausschreibungen formulieren oder Kooperationen eingehen. Rückgewinnungspfade müssen früh mit Absatzwegen verbunden und Finanzierung sowie Verantwortlichkeiten rechtzeitig geklärt werden.
Den Abschluss bildete eine Podiumsdiskussion unter dem Titel „Phosphor-Recycling in der Praxis: Wege zur erfolgreichen Umsetzung?“; es beteiligten sich Vertreterinnen und Vertreter des BMFTR, aus Düngemittelindustrie, LAGA, DWA, DPP und TransPhoR. Die zentralen Aussagen der Diskussion wurden als Graphic Recording visuell festgehalten.
Einigkeit bestand darin, dass die technischen Voraussetzungen für den Start vorhanden sind. Die Diskussion kreiste vor allem um die Frage, wer welche Verantwortung übernimmt. Mehrere Diskussionsteilnehmende wiesen auf einen Punkt hin, der Investitionen aktuell hemmt: die laufende Debatte über eine Verschiebung der gesetzlichen Fristen. Das Bundesumweltministerium hat eine solche Verschiebung klar abgelehnt – dennoch erzeugt die Diskussion selbst Unsicherheit bei Planenden und Betreibern und verzögert Entscheidungen.
Fachkräftemangel wurde als weiteres strukturelles Hemmnis benannt. Besonders nasschemische Verfahren erfordern verfahrenstechnisch qualifiziertes Personal, das auf Kläranlagen häufig nicht vorhanden ist. Kommunen benötigen Unterstützung bei Grundsatzentscheidungen – von der Wissenschaft, aber auch von Bund und Ländern durch verlässliche Rahmenbedingungen.
Die Düngemittelindustrie signalisierte Interesse an den Rezyklaten aus RePhoR. Gleichzeitig wurde aufgefordert, den Dialog zwischen Erzeuger- und Abnehmerseite offener zu führen als bisher.
Das Fazit der Diskussion: Kommunen stehen als Schlüsselakteure im Zentrum, können aber nicht allein handeln. Wirtschaft, Politik und Wissenschaft müssen gemeinsam und abgestimmt vorgehen – und zwar jetzt, denn bis 2029 ist wenig Zeit.
Alle Projektergebnisse sind in der Begleitveröffentlichung zum Transferevent zusammengefasst. Technische Details zu Prozessdaten, Rezyklatqualität und Betriebsanforderungen bieten die Verfahrenssteckbriefe der sieben Verbundprojekte. Beide Publikationen sowie weiterführende Materialien sind unter https://www.bmbf-rephor.de/publikationen-ergebnisse/ abrufbar. Weitere Informationen finden sich in der Meldung auf der FONA-Seite. https://www.fona.de/de/phosphorrecycling-technik-bereit-umsetzung-stockt.